Bitcoin sinkt, Bitcoin steigt, Bitcoin gibt wieder nach – Schwankungen bei Krypto-Assets gehören zur Normalität. Nicht nur bei Bitcoin, auch bei anderen Assets wie Ethereum brachte das Jahr schon eine Reihe heftiger Ausschläge. Vor allem der Ausverkauf im Februar sorgte bei manchen Anlegern für Herzrasen: Nicht zuletzt wegen schwacher Daten aus dem KI- und Tech-Sektor wurden Bitcoin & Co abgestoßen; mancher Pessimist sah gar schon das (mehrmals prophezeite) Ende der angeblichen „Krypto-Blase“ gekommen. Zuletzt aber, Stand Mitte Mai, gab es eine Erholung, Bitcoin konnte die Marke von 80.000 Dollar zurückerobern.
Stabilisierung schafft Potenzial
Folgt nun ein nachhaltiger Anstieg der Kurse? Bernhard Wenger, Head of Northern Europe bei 21Shares (einem Anbieter börsengehandelter Kryptoprodukte), sieht eine strukturelle Stabilisierung des Marktes – und ist optimistisch für 2026: „Ende des Jahres sehen wir durchaus 100.000 US-Dollar als Ziel.“ Relevant ist dafür die Qualität der Nachfrage: US-Spot-ETFs verzeichneten innerhalb eines Monats Zuflüsse von rund 2,5 Milliarden US-Dollar, gleichzeitig haben Unternehmen wie Strategy ihre Bitcoin-Bestände ausgebaut. „Dass langfristig orientiertes Kapital auch in Phasen erhöhter Unsicherheit konsequent akkumuliert, spricht für wachsendes Vertrauen in die langfristige Marktstruktur.“
Klare Spielregeln
Auch Dietmar Schantl-Ransdorf von Bitpanda Wealth sieht den Markt auf „einem ganz anderen Fundament als noch vor ein paar Jahren“. Es gebe heute eine professionelle Infrastruktur und viel mehr institutionelle Anleger im Markt. Und durch MiCAR habe man klare Spielregeln in Europa; dieser EU-Rechtsrahmen (Markets in Crypto-Assets Regulation) für Krypto-Assets und -Dienstleister bringe Stabilität. Für die weitere Entwicklung sei die US-Geldpolitik und Regulierung wichtig, meint er. Krypto-Assets hätten ihren Exotenstatus verloren, sagt Wenger. „Digitale Werte wandern gerade mitten in die klassischen Depots und werden dort zum Standard.“ Entscheidend werde daher die „immer tiefere Integration in das klassische Finanzsystem“ sein.

Wie sollten sich Anleger verhalten? Mit Schwankungen bei digitalen Assets müsse man kalkulieren, sagt Wenger. „Wer hier Ruhe bewahren will, braucht vor allem eine klare Strategie und einen langen Atem.“ Als bewährtes Mittel nennt er die Automatisierung über Sparpläne, die wie klassische Aktien-ETFs funktionieren: Wenn man regelmäßig feste Beträge investiert, kauft man bei niedrigen Kursen automatisch mehr Anteile und bei hohen weniger. „Das glättet nicht nur den Durchschnittspreis, sondern nimmt vor allem den emotionalen Druck raus, den perfekten Zeitpunkt finden zu müssen.“ Krypto-Assets sollten generell als Beimischung innerhalb eines breit diversifizierten Portfolios betrachtet werden, nicht als Alles-oder-nichts-Investment, sagt Schantl-Ransdorf. „Dadurch bleiben Schwankungen kontrollierbar.“ Wichtig sei zudem, emotionale Entscheidungen zu vermeiden. Statt zu versuchen, kurzfristige Marktbewegungen perfekt zu timen, sollten Anleger ihre Zielgewichtung regelmäßig überprüfen und konsequent rebalancen.





