Kann man den irdischen Garten Eden buchen? Eine Insel voller Schönheit, mit Palmen und weißem Sand, auf der das Leben so unbeschwert wie eine leichte Brise ist? Aber ja. Doch in Wirklichkeit ist das Paradies erst schön mit Personal und einer Prise Luxus unter Palmen. Eine Reiseexpedition zu wunderbaren Inseln mit fünf Sternen. Text: Karl Riffert
Kanifushi: die größten Private Pools der Malediven
Das Paradies, wo findet man es nur? Im Jahre 565 soll der irische Heilige Brendan mit zwölf Gefährten aufgebrochen sein, um
irgendwo im Westen eine verheißene Insel zu entdecken, das Paradies auf Erden. Das verwegene Unterfangen erwies sich, wie wir wissen, als vergeblich, aber der Traum vom Paradies blieb. Mal lokalisierte man es in der Südsee, mal irgendwo in fernen indischen Gefilden.
Der biblische Garten Eden blieb bislang unentdeckt, aber immerhin wurden Urlaubsparadiese gefunden.
Vor genau 54 Jahren zum Beispiel führte ein Zufall dazu, dass aus einer Gegend, die bei Seefahrern jahrhundertelang Furcht und Schrecken verbreitet hatte, eines der schönsten Reiseziele der Welt wurde. Im Jahr 1971 war ein italienischer Reiseveranstalter namens Giorgio Corbin auf der Insel Ceylon unterwegs, die wir heute als Sri Lanka kennen. Er suchte nach guten Plätzen für Taucher. In Colombo begegnete er einem jungen, 23-jährigen Mitarbeiter der maledivischen Botschaft namens Ahmed Naseem, der ihm von seiner Heimat, 1.196 Inseln im Indischen Ozean, vorschwärmte: den Malediven. Auf der touristischen Landkarte existierten die Inseln damals nicht. Es gab kein einziges Hotel, keinen brauchbaren Flughafen, nur sandige Wege, fast keine Autos, keine Gebäude mit mehr als zwei Etagen und die muslimische Bevölkerung bestand aus bettelarmen Fischern. Seefahrern galten die Malediven als ein Ort der Hölle, ein gefährlicher Sperrgürtel auf dem Seeweg nach Indien. Zahlreiche Schiffswracks zeugen davon.
Der Italiener Corbin und der Malediver Naseem, der später reich und Minister wurde, fuhren per Frachtschiff nach Malé. Mit einem kleinen Segelboot schipperten die beiden dann fünf Stunden lang zur Insel Vihamanaafushi im Nord-Malé-Atoll. Außer einfachen Hütten, Brackwasser und vielen Ratten gab es dort nichts für verwöhnte europäische Touristen. Aber Corbin war von der Schönheit der Insel überwältigt: von den sich im Wind wiegenden Palmen, dem weißen Sandstrand, den leuchtenden Korallen und der bunten Unterwasserwelt. Ein Jahr später charterte der Italiener ein Militärflugzeug – es gab eine winzige britische Landebahn auf den Malediven – und brachte die ersten 22 Touristen in das Inselparadies. Die aus einfachen Hütten bestehende Unterkunft nannte sich Kurumba, die Kokosnuss. Inzwischen ist daraus ein Luxusresort entstanden und die Malediven sind zu einer Luxus-Fernreisedestination geworden, mit zuletzt zwei Millionen Touristen pro Jahr.
Eine dieser Fünf-Sterne-Inseln erreicht man in 35 Minuten mit einem Wasserflugzeug von Malé aus. Die Insel heißt Kanifushi und liegt im Lhaviyani-Atoll, das erst spät touristisch entwickelt wurde. Von den 52 Inselchen des Atolls sind überhaupt nur fünf bewohnt, dafür ist der Indische Ozean hier für Taucher ein Traum. Die Insel selbst sieht so aus, wie man sich heute ein Paradies ausmalt: zwei Kilometer lang, ein wunderbarer, lang gestreckter Sandstrand, nur 90 Meter breit, eine türkisfarbige Lagune und eine traumhafte tropische Vegetation. Dazu ein Fünf-Sterne-Resort, das Atmosphere Kanifushi, dessen Private Pools zu den größten gehören, die man auf den Malediven findet. Die Tauchplätze wiederum zählen ebenfalls zu den besten im maledivischen Inselreich. Dazu gehört „Anemone Thila“, ein versunkener Berg, wo Taucher Anemonen und Anemonenfische finden, neben vielen anderen Meeresbewohnern wie Schildkröten und Stachelrochen. Ein berühmter Tauchplatz ist auch „The Shipyard“, der aus zwei Schiffswracks besteht. Eines der Wracks ragt mit dem Bug spektakulär aus dem Wasser.
Das Resort mit 162 Suiten und Villen (Strand- und Überwasser-Villen) bietet Fünf-Sterne-Luxus all inclusive (dazu zählt auch der Transfer mit Wasserflugzeugen).
Preisbeispiel: einfachste Kategorie, Nebensaison, ab rund 830 Euro/Nacht. Besonders schön die Grand-Pool-Strandvillen (125 Quadratmeter plus 42-Quadratmeter-Pool), Hochsaison 3.250 Euro/Nacht, Nebensaison 1.350 Euro. Die teuerste Kategorie sind die zehn „Residenzen“ des Atmosphere Kanifushi mit 594 Quadratmetern Wohnfläche plus 115-Quadratmeter-Pool. In der Hochsaison kostet so viel Luxus ca. 6.150 Euro pro Nacht, in der Nebensaison „nur“ 3.200 Euro.
Info: atmosphere-kanifushi.com



Südseeträume: Bora Bora, Fidschi und mehr
„Was ist für Sie der schönste Ort der Welt“, fragten wir vor Jahren Tony Wheeler, den Gründer von Lonely Planet, des größten Reisebuchverlags der Welt, den er inzwischen für 100 Millionen Pfund verkauft hat. Wheeler, der als junger Mann mit einem klapprigen VW-Bus von London nach Kabul gefahren war und den ersten Reiseführer für Rucksacktouristen herausgegeben hatte, antwortete, ohne lange nachzudenken: „Bora Bora!“
Die Südsee als Traumort hat eine lange Tradition. Keinen Winkel der Welt beschrieben europäische Entdecker so enthusiastisch wie die 118 südpazifischen Inseln voller dichter Regenwälder und grüner Berge, die wir heute als Französisch-Polynesien kennen. Tahiti machte den Anfang als erdachter Garten Eden. Vor allem die Geschichten des französischen Kapitäns Louis-Antoine de Bougainville beflügelten die Fantasie der Europäer. Bougainville schwärmte von der Insel der Aphrodite, einer Welt voller barbusiger Südseeschönheiten, mit mildem Klima, ohne gefährliche Tiere (nicht einmal Schlangen gibt es dort). Tahiti, 18.000 Kilometer von der Grande Nation entfernt und dicht verbaut, ist heute keine Schönheit mehr, wohl aber Bora Bora, die zu Recht als eine der schönsten Inseln der Welt gilt. Ein Berg wie aus einem Fantasy-Roman, der Mont Otemanu, thront über einer unwirklich schönen, türkisfarbenen Lagune, die von einem Riff geschützt wird.
Von den zehn Luxusresorts ist wohl das Four Seasons Bora Bora das schönste. 100 Overwater-Villen auf Stelzen und sieben feine Strandvillen bieten sich als paradiesische Domizile für anspruchsvolle Reisende an. Den schönsten Blick auf Bora Boras magischen Berg hat man von den 147 Quadratmeter großen Otemanu-Overwater-Villen mit eigenem kleinem Private Pool. Das leichte Leben im Paradies ist freilich sündhaft teuer: Für eine Nacht in der Otemanu-Villa muss man mit rund 5.300 Euro rechnen. In der niedrigsten Kategorie sind es immer noch rund 2.000 Euro.
Info: www.fourseasons.com
Zu den exklusivsten Resorts in der Südsee zählt Como Laucala Island auf Fidschi mit nur 25 Villen, eigenem Golfplatz und einem U-Boot für wohlbetuchte Gäste. Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz erwarb die Privatinsel für zehn Millionen Dollar von der Forbes-Familie und machte ein Juwel daraus. Das wird mittlerweile von Como Hotels gemanagt, die Christina Ong, einer Milliardärin aus Singapur, gehören. Für eine Nacht in der niedrigsten Kategorie muss man auf Laucala mit 5.800 US-Dollar rechnen, wobei meist ein Mindestaufenthalt von vier bis sieben Tagen erforderlich ist. Das teuerste Quartier soll bis zu 36.000 US-Dollar pro Nacht kosten.
Info: www.comohotels.com
Um das Südseeparadies mit Stil zu genießen, bedarf es übrigens nicht unbedingt des Aufenthalts in einem Luxusresort. Eine Kreuzfahrt durch die fantastisch schöne Inselwelt ist mindestens ebenso reizvoll. Unser Tipp: die „Paul Gauguin“, betrieben von der französischen Reederei Ponant, mit maximal 330 Gästen an Bord. Eine 12-tägige Reise von Tahiti aus nach Bora Bora, Moorea und zu den Cookinseln ist in der einfachsten Kategorie (Außenkabine) ab rund 5.300 Euro buchbar, in der luxuriösen Owners Suite um rund 20.000 Euro.
Info: de.ponant.com



Höllisch schön: Kann das Paradies auf einem Vulkan sein?
Nördlich von Sizilien liegen sieben kleine, magische Inseln. Man kennt sie unter zwei verschiedenen Namen. Die Italiener nennen sie die Äolischen Inseln – nach Äolos, dem Herrn der Winde. Die Österreicher kennen sie als Liparische Inseln. So hat sie ein Erzherzog im 19. Jahrhundert getauft: Ludwig Salvator von Österreich-Toskana, ein Mann mit einem so ungewöhnlichen Leben, dass es Jules Verne zu einer Romanfigur inspirierte. Salvator bereiste, getrieben von Fernweh, zahllose Male mit seiner Jacht „Nixe“ das Mittelmeer. Begleitet wurde er nicht nur von einer Schar illustrer Freunde, sondern auch von einer ganzen Tiermenagerie – darunter sein Lieblingsschimpanse „Gorilla“. Der schlampig gekleidete Adelige mit ungebügeltem Outfit (sein Motto: „Besser vielfältig als einfältig“) schuf sich sein eigenes Paradies. Er war beiden Geschlechtern zugetan, hatte etliche uneheliche Kinder und verlebte seine besten Jahre mit einer Tischlertochter auf einer wunderbaren Finca auf Mallorca. Salvators Anwesen dort war übrigens später 25 Jahre lang im Besitz von Hollywoodstar Michael Douglas.
Für Salvator waren die Liparischen Inseln die schönsten der Welt und für manche Kenner sind sie es noch heute: Panarea, nur 3,5 Quadratkilometer groß, mit hoher Milliardärsdichte, Vulcano, die erste Insel, wenn man von Sizilien kommt, Lipari, die größte der sieben Inseln, Alicudi und Filicudi, verwunschene Orte ohne Autos, Massentourismus und mit nur 100 Einwohnern, schließlich noch Stromboli mit seinem aktiven Vulkan und das grüne Salina mit den besten Kapern der Welt und einem exzellenten Malvasia-Wein.
Die luxuriöseste Bleibe in dieser Inselwelt findet man auf Vulcano. Das Therasia Resort, Mitglied der Leading Hotels of the World, verwöhnt mit Michelin-Sterne-Küche und wunderbaren Ausblicken auf das tiefblaue Tyrrhenische Meer und auf die Klippen der Nachbarinsel Lipari. Auf Vulcano selbst gibt es alte Krater, schwarzen Vulkansand und heilendes Thermalwasser.
Richtpreise: De-luxe-Zimmer mit Terrasse und Meerblick ab rund 750 Euro/Nacht; die teuerste Kategorie, die Äolische Suite mit
eigenem Whirlpool auf der Terrasse, kommt auf rund 2.800 Euro pro Nacht. Geöffnet ab Ende April. Info: www.therasiaresort.it