Raritäten – Weniger ist mehr

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Malte Häusler, Chef und Mitgründer des Fintechs ­Timeless Investments: „Zu unseren Kunden gehören auch erfahrene Anleger, die ihr Portfolio verbreitern.“

Wie Sneaker, Sammelkarten und Spirituosen zu Geldanlagen werden

Auf der Geldanlage-Plattform Timeless können Anleger in Vintage-Uhren, Sneaker oder Filmrequisiten investieren. Mitgründer Malte Häusler über die Vorteile von Sachwerten, die Idee hinter dem ­Fintech und warum gerade Whisky so wertvoll ist.  Text: Kim Kopacka

Auf den ersten Blick wirkt der Nike Off-White Chicago – weiß-rot mit schwarzem Logo – wie ein gewöhnlicher Turnschuh. Als er 2017 auf den Markt kam, lag der Kaufpreis noch bei vergleichsweise bescheidenen 179 Euro. Heute gilt der limitierte Sneaker, der den Beginn der Zusammenarbeit zwischen Nike und dem Designer Virgil Abloh markiert, als Sammlerstück und Wertanlage.

„Dieser Schuh war das erste Objekt auf unserer Plattform“, erzählt Malte Häusler, CEO und Mitgründer von Timeless Investments. „Wir sind damit im Februar 2021 mit einem Drop-Preis von 4.300 Euro live gegangen, verkauft haben wir ihn 2025 für 6.500 Euro – das sind mehr als 50 Prozent Rendite in viereinhalb Jahren.“

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Ikonisch: Tom Fords Anzug für Daniel Craig in seiner Rolle als James Bond.
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Investition mit Biss

Mittlerweile umfasst sein Sammel­kata­log knapp 800 Assets in acht verschiedenen Kategorien, angefangen von Uhren und Autos über Kunst und Spirituosen bis hin zu einzig­artigen Collectibles. „Seit Kurzem ­haben wir zum Beispiel ­einen T-Rex-Zahn samt Wurzel auf unserer Plattform. So etwas bekommt man als Privatperson normalerweise nicht, zumindest nicht zu dem Preis“, sagt Malte Häusler.

Über ausgewählte Partner hat Timeless Zugang zu besonderen Deals. Jedes Asset wird auf Echtheit, Qualität und Marktpo­ten­zial geprüft und digital in so­genannte Tokens aufgeteilt. Dadurch können Anleger bereits ab 50 Euro Bruchstücke der Luxusartikel erwerben. „Wir sprechen etwa Menschen an, die vielleicht nur wenig Kapital mitbringen, aber einfach einmal aus emotionalem Interesse einsteigen wollen. Beispielsweise mit zwei Anteilen an einem wertvollen Turnschuh von Dirk Nowitzki“, erklärt Häusler. „Zu unseren Kunden gehören aber auch Anleger, die bereits Erfahrung mit Aktien, Kryptowährung oder Anleihen gemacht haben und ihr Portfolio breiter aufstellen möchten.“

Die Verwaltung, Versicherung und Lagerung der Sachwerte übernimmt das Fintech. Gekauft und verkauft wird alles bequem über eine App. Wann ein Sammlerstück wieder veräußert wird, entscheiden die Investoren per Voting. Time­less beobachtet zwar den Markt und versucht, den perfekten Moment für den Exit abzupassen. Doch nur wenn die Mehrheit zustimmt, wird das Asset auch wirklich verkauft. Lässt sich zu einem bestimmten Zeitpunkt kein Gewinn erzielen, kann das Objekt einfach weiter im Bestand bleiben, bis sich der Markt erholt oder ein besseres Angebot kommt.

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Der legendäre Nike Off-White Chicago brachte mehr als 50 Prozent Rendite in viereinhalb Jahren.
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Wertvolle Requisite: der Stormtrooper-Helm aus der Star-Wars-Saga.
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Die Preise für seltene Whiskys stiegen seit 2015 um 300 Prozent.

Flüssiges Gold

Gerade in unsicheren Zeiten würden alternative Anlageklassen vermehrt in den Fokus rücken und an Wert gewinnen, weil die Abhängigkeit vom Aktienmarkt gering ist. Dies ginge auch aus zahlreichen Studien hervor, sagt Häusler. „Laut dem Knight Frank Luxury Investments Report sind die Preise für Sammlerstücke in den letzten zehn Jahren im Schnitt um 136 Prozent gestiegen. Manche Kategorien stechen dabei besonders hervor, wie etwa Whiskys mit einer durchschnittlichen Wertsteigerung von 300 Prozent.“

Aber warum ist gerade Whisky so wertvoll? Was unterscheidet ihn von anderen Luxusgütern? Zum einen werden die Bestände immer knapper, während die Nachfrage konstant hoch bleibt. „Viele weltbekannte Brennereien und Marken existieren heute nicht mehr. Das heißt, wenn ein Whisky einmal geöffnet und getrunken ist, ist er für immer weg, und das treibt den Preis“, erklärt Häusler. Ein Beispiel ist „The Macallan 1926 Adami“ aus Schottland, der 2023 bei einer Auk­tion von Sotheby’s umgerechnet rund 2,5 Millionen Euro erzielte.

Ähnlich verhält es sich bei wertvollen Fahrzeugen, besonders im deutschsprachigen Raum, wo Autos eine große ­emotionale Bedeutung haben. „Manche ­Modelle wurden früher in Klein- oder Groß­serie produziert, können so aber nicht mehr gebaut werden. Dadurch sind sie limitiert und in der Sammler-Community entsprechend begehrt.“

Luxusgüter im Netz

Zum anderen wird die Preisentwicklung von den sozialen Netzwerken beeinflusst. Während Sammlerstücke noch vor ein paar Jahrzehnten den Reichen vorbehalten waren, weil sie über das entsprechende Kapital und die Expertise verfügten, machen Content Creators Luxus- und Lifestyle-Themen heute einer viel breiteren Ziel­gruppe zugänglich. Trägt ein Künstler in einem Instagram-Video noch dazu ein altes Uhrmodell oder ein bestimmtes Paar Sneaker, kann das die Nachfrage innerhalb kürzester Zeit in die Höhe treiben. Diese Dynamik beobachtet man auch bei Timeless. Denn bei Collectibles zählen neben dem Gewinn vor allem Emotion, Zu­gehörigkeit und Nostalgie. Deshalb investieren Millennials oft eher in Comics, Pokémon-Karten oder Lego – Dinge, die ihnen in der Kindheit wichtig waren, aber mit denen Babyboomer beispielsweise wenig anfangen können. Diese sichern sich in der Regel lieber Anteile an Autos, Uhren oder etwa einer Platte von Marilyn Monroe.

„Am Ende geht es vor allem darum, dass das Stück zum Geschmack und zur Nachfrage unserer Kunden passt“, sagt der Mitgründer von Timeless. „Selbst wenn wir etwas fachlich hoch spannend finden und überzeugt sind, dass es ein tolles Investment wäre – wenn es niemand kennt, müsste man erst einmal viele Fragen beantworten.“

Fernbeziehung auf Zeit Doch so eng die emotionale Bindung zu dem Stormtrooper-Helm aus „A New Hope“ mit Unterschriften der Star-Wars-Besetzung oder dem Tom-Ford-Anzug, den Daniel Craig als James Bond trug, auch sein mag, in der Realität bleibt eine gewisse Distanz. „Man kann leider nicht einfach in unser Lager kommen und sagen: ‚Ich möchte jetzt mal meine Anteile anschauen‘“, schmunzelt Malte Häusler. „Aber wir versuchen punktuell, ausgewählte Objekte aus dem Lager zu holen und bei Events zu zeigen – um zu beweisen, dass sie wirklich da sind.“ In Zukunft möchte Timeless noch mehr Partner für Pop-up-Ausstellungen gewinnen, um dort regelmäßig vertreten zu sein und die Sammlerstücke für die Menschen erlebbar zu machen. Bis dahin müssen sich An­leger noch mit Fotos und Videos von ihren Sammlerstücken zufriedengeben.