Welche Messen für Einsteiger besonders spannend sind und warum der Kunstmarkt gerade jetzt nachhaltige Chancen bietet.
Text: Eva Komarek
Der Kunstmarkt ist aktuell ziemlich in Bewegung. Seit 2023 ist eine merkliche Abkühlung in den oberen Preisregionen zu spüren. Laut Artnet Intelligence Mid-Year Review sanken die globalen Auktionsumsätze im ersten Halbjahr 2025 um 8,8 Prozent. Besonders hart getroffen hat es das Hochpreissegment. Der Umsatz mit Werken jenseits der Zehn-Millionen-Dollar-Grenze fiel um satte 43,4 Prozent. Die Verkäufe in der Preisklasse ein bis zehn Millionen Dollar stiegen hingegen um 13,8 Prozent, was auf eine Erholung des Vertrauens in etablierte Preisklassen hindeutet. Für Sammler ist das eine gute Nachricht. Die Luft ist raus aus dem Hype. Stattdessen bieten sich gute Einstiegschancen.
Als Kunsteinsteiger ist es wichtig, zwischen Primär- und Sekundärmarkt zu unterscheiden. Während Auktionen teils sprunghafte Preisentwicklungen zeigen und für Einsteiger schwer kalkulierbar sind, bietet der Primärmarkt, also der direkte Kauf über Galerien, oft mehr Transparenz und Stabilität. Hier ist nicht nur das Werk entscheidend, sondern auch das Netzwerk dahinter. Wichtig zu wissen ist: Gibt es institutionelle Ausstellungen, Sammlungsankäufe oder internationale Resonanz?

Kunst komprimiert auf wenig Raum
Eine gute Anlaufstelle für Kunstneulinge sind Kunstmessen, denn sie bieten einen guten Überblick über aktuelle Entwicklungen. Österreich, und hier wiederum speziell Wien, hat eine hohe Dichte an Messen.
Die führende Messe für zeitgenössische Kunst ist die viennacontemporary (VC), die im September stattfindet. Mit Fokus auf Osteuropa, Emerging Artists und einem Sektor für junge Galerien (Zone 1) bietet sie nicht nur internationale Qualität, sondern auch moderat bepreiste Werke. Für Kunstsammler und solche, die es noch werden wollen, ist diese Messe ein Muss.
Die Spark Art Fair im Frühjahr ist eine ernst zu nehmende Konkurrenz für die VC, hat aber mit den Solopräsentationen ein gänzlich anderes Konzept. Jede Galerie zeigt nur einen Künstler. So entsteht eine hohe Konzentration. Viele Positionen sind jung und preislich noch zugänglich. Das Format ist ideal für Neugierige mit einem Interesse an klarer Präsentation und intensiver Auseinandersetzung.
Die Parallel Vienna, die immer gemeinsam mit der VC stattfindet, ist eine Entdeckermesse, die auf Emerging Art spezialisiert ist und mehr Festivalcharakter hat. Sie bespielt leer stehende Gebäude, zuletzt im Otto-Wagner-Areal auf der Baumgartner Höhe. Der direkte Zugang, die urbane Atmosphäre und Preise ab 500 Euro machen sie zum idealen Ort für den ersten Kauf.
Im Vorjahr feierte zudem die paper positions vienna ihre Premiere in Wien. Sie konzentriert sich auf Arbeiten auf Papier in jeglicher Form. Gerade wenn das Budget klein ist, sind beispielsweise Zeichnungen, Grafiken oder Fotografie eine gute Wahl, denn sie sind erschwinglicher als qualitativ vergleichbare Gemälde oder Aquarelle. Deshalb gelten Papierarbeiten auch als Einstiegsdroge zum Kunstsammeln.
Ebenfalls neu ist seit heuer die Affordable Art Fair in Wien. Sie versteht sich als Einsteigermesse und ist mit 10.000 Euro preislich klar begrenzt.
Wer nicht nur zeitgenössische Kunst will, kann sich auf der Art Austria oder auf der Art&Antique in der Hofburg umschauen. Die Art Austria bietet österreichische Kunst von der klassischen Moderne bis zur Gegenwart. Die Art&Antique umfasst die gesamte Palette des Kunstmarkts von der Antike bis zur Gegenwart. Wer glaubt, dass hier nur teure Ware zu finden ist, irrt. Man bekommt Objekte der Antike etwa schon für unter 1.000 Euro.

Ins Ausland schauen
Investieren in Kunst ist eigentlich nicht so viel anders als in Aktien anlegen. Wer Chancen erkennen und davon profitieren will, muss sich mit dem Thema eingehend beschäftigen, sollte informiert bleiben, was die neuesten Trends sind, und braucht Geduld. Trends erkennt man am besten, wenn man sich auf wichtigen internationalen Messen umsieht. Deshalb ist ein Besuch der Leitmessen Frieze und Art Basel empfehlenswert.
Die Frieze ist ein globaler Messeplayer mit Stammmesse in London. Jedes Jahr im Oktober schlägt sie ein großes Designerzelt im Regent’s Park auf. Hier findet man die internationalen Blue-Chip-Galerien mit den hochpreisigen Prestigewerken der Superstars, aber auch junge, experimentelle Kunst, die im geförderten Focus-Sektor gezeigt wird. Dort gibt es auch Arbeiten unter 10.000 Euro.
Ähnlich ist das bei der Art Basel, die neben der Hauptmesse in Basel im Juni und weiteren Niederlassungen in Hongkong und Miami seit ein paar Jahren im Oktober eine Messe in Paris veranstaltet. Ähnlich wie bei der Frieze gibt es auf der Art Basel eine Sektion für junge Kunst. Hier heißt sie „Statements“ und wurde als Sprungbrett für junge Künstler ins Leben gerufen. Die Art Basel Paris bietet neben den „Statements“ noch den Sektor „Premise“, in dem thematisch organisierte Präsentationen auch Werke vor 1900 zeigen, neu kontextualisiert und oft zu attraktiven Preisen. Ein heißer Tipp für junge Sammler ist zudem die Liste Art Fair, die parallel zur Art Basel in Basel stattfindet und als etablierteste Plattform für Newcomer gilt. Für Neueinsteiger ins Kunstsammeln bieten solche Messen eine Gelegenheit, sich ohne Druck, aber mit Tiefe an den internationalen Markt heranzutasten.