Monika Rosen, Börsenexpertin Österreichisch-Amerikanische Gesellschaft, Grande Dame der Finanzmarktanalyse.
Der Luxussektor gilt, zumindest an der Börse, als europäische Antwort auf die US-Dominanz in der Technologie. Während die Wall Street mit künstlicher Intelligenz und Cloud Computing punktet, vermarktet der alte Kontinent die schönen Dinge des Lebens, von Mode bis Parfum, von der Handtasche bis zum Schuh. Und anders als hochpreisige Tech-Geräte, die an Wert verlieren, sobald man sie aus der Schachtel nimmt, erleben echte Luxusartikel mit der Zeit eher noch eine Wertsteigerung. Damit ist es gerade der Luxusindustrie gelungen, sich als Symbol für sozialen Aufstieg, Stil und guten Geschmack zu positionieren.
Die Covid-Pandemie bescherte dem Luxussektor zunächst einen teils heftigen Einbruch. Reisen wurde quasi unmöglich und Geschäfte blieben geschlossen. Einige Marken erholten sich aber erstaunlich schnell, da mit Fortschreiten der Pandemie die Nachfrage nach Sachwerten anstieg. Damals war es selbst den Ultrareichen nicht möglich, von einem Domizil zum anderen zu jetten. Also tröstete man sich mit Luxusartikeln, nicht zuletzt mit Schmuck. Dieser Trend kam zuletzt aber deutlich ins Stocken.
Zu den Bremsklötzen gehörte die US-Zollpolitik, aber auch die zögerliche Konjunkturerholung in China. Vor Covid wurde der globale Luxussektor zu rund einem Drittel von chinesischen Konsumenten, vornehmlich Touristen, getragen. Mit dem Ausbruch der Pandemie kam diese Dynamik quasi zum Stillstand, zuletzt deutete sich aber ein Turnaround an. Bis Jahresende könnte China bei der Zahl der Auslandsreisen wieder das Niveau vor Covid erreichen. Internationale Abflüge aus dem Reich der Mitte liegen derzeit bei rund 90 Prozent des Niveaus von 2019. Dazu kommt, dass mehr oder weniger alle chinesischen Touristen bei ihren Auslandsreisen auf Einkaufstour gehen. Fast die Hälfte von ihnen gibt mindestens 700 Dollar für Geschenke aus. In der Vergangenheit dauerten Rückgänge im Luxussektor zwischen einem und zwei Jahren. Das bedeutet, dass es für 2026 berechtigte Hoffnungen auf eine Belebung gibt. Was China betrifft, so wäre dort vor allem eine Stabilisierung auf dem Immobilienmarkt wichtig. Auf dem amerikanischen Markt haben die Luxusmarken mit der jüngsten Aufwertung des Euro zu kämpfen, da diese ihre Produkte in den USA entsprechend verteuert. Um hier einen positiven Turnaround zu schaffen, sollte es zu keinen gröberen Einbrüchen an der Wall Street kommen, da der US-Luxusartikelkäufer dort tendenziell stark engagiert ist.