Gold wird als Anlage immer begehrter. Doch wie investiert man am besten und wann ist der richtige Zeitpunkt für Kauf oder Verkauf? Text: Robert Prazak
Wer dachte, beim Goldkurs geht es nicht weiter aufwärts, wurde im laufenden Jahr schon mehrfach eines Besseren belehrt: Im Oktober gab es historische Höchststände, die Preisrallye scheint trotz zwischenzeitlicher Korrekturen nicht zu bremsen zu sein. Das hat mehrere Gründe: Die weltpolitische Lage hat die Zentralbanken dazu veranlasst, immer mehr Gold zu kaufen – China beispielsweise macht das zur Diversifizierung vom Dollar. Und überhaupt der Dollar: Die Währung ist vor allem wegen der wankelmütigen Politik von Donald Trump unter Druck, der ja auch die Fed an die Kandare nehmen will. Dazu kommt die steigende Popularität von Goldfonds und anderen Produkten; immer mehr Menschen wollen sich auch Gold in Barrenform einlagern, frei nach dem Motto: Man weiß ja nie, was kommt.
Gold habe sich über die Jahre immer wieder als verlässlicher Stabilitätsanker erwiesen, wenn die Finanzmärkte ins Wanken geraten, sagt Michael König, Geschäftsführer der Deutsche Börse Commodities. „In Zeiten geopolitischer Unsicherheit – etwa bei militärischen Konflikten oder politischer Instabilität – steigt die Nachfrage nach dem Edelmetall als sicherer Hafen deutlich an.“ Aber auch in der privaten Altersvorsorge könne Gold eine stabilisierende Funktion übernehmen, indem es Verluste anderer Anlageformen ausgleicht oder abfedert.
Doch wie kann man überhaupt in das Edelmetall investieren? Variante eins: physisches Gold kaufen, also in Form von Barren oder Münzen, und dann entweder selbst lagern oder aufbewahren lassen. Gold biete in dieser Form den Vorteil der direkten Verfügbarkeit und Unabhängigkeit von Finanzsystemen, sagt Reinhard Walz, Leitung Vertrieb und Marketing bei der Scheideanstalt Ögussa. Seine Kunden entscheiden sich vorwiegend für diese Variante, etwa in Form von Feingoldbarren, die in elf Größen
erhältlich sind. „Viele schätzen am physischen Goldbesitz die greifbare Sicherheit – ein Wert, der gerade in unsicheren Zeiten an Bedeutung gewinnt.“

Goldene Papiere
Zweite Variante: Anleger können über börsengehandelte Produkte wie Gold-ETFs versuchen, ihr goldenes Händchen zu beweisen. Während manche Zertifikate nur den Goldpreis anbieten, gibt es Produkte, die eins zu eins mit Gold hinterlegt sind, das zentral und sicher gelagert wird, erläutert König. Eine Alternative zu einem einmaligen Investment ist ein Goldsparplan, bei dem regelmäßig kleinere Beträge in Gold investiert werden – dadurch können Kursschwankungen elegant umschifft werden (Cost-Average-Effekt).
Kaufen oder verkaufen? Doch wie geht es mit Gold weiter? Während einzelne Analysten vor einer Blasenbildung warnen, weisen andere darauf hin, dass die globale politische und wirtschaftliche Entwicklung eher auf einen anhaltenden Aufwärtstrend hindeutet. Nichtsdestotrotz sind Kursschwankungen zu erwarten und das Risiko sollte im Auge behalten werden. Wer Gold jedenfalls nicht nur für ewige Zeiten einlagern möchte, wird es irgendwann verkaufen wollen. Worauf sollte man dabei achten? Das hänge von den jeweiligen Beweggründen ab, meint Walz – also etwa Liquiditätsbedarf, Umschichtung oder Gewinnrealisierung. Es sei wichtig zu wissen, dass der Goldpreis natürlichen Schwankungen unterliegt, die durch geopolitische Ereignisse, Zinsentwicklungen oder Währungsbewegungen beeinflusst werden. „Wer Gold als langfristige Absicherung hält, wird solche Signale anders bewerten als kurzfristig orientierte Investoren.“ Für Michael König steht generell fest: „Gold sollte langfristig gehalten werden, denn es erfüllt im Portfolio eine wichtige Funktion.“ Studien würden dazu raten, Gold als strategische Beimischung zur Portfoliodiversifizierung einzusetzen: Ein Anteil von fünf bis zehn Prozent kann helfen, das Vermögen wirksam gegen Verluste abzusichern. „Es ist also eine Art Versicherungsschutz für ein Depot – unabhängig vom aktuellen Preisniveau.“
Info
Wie kaufen?
Gold kann in physischer Form gekauft werden (Barren, Münzen) oder über börsengehandelte Produkte wie Gold-ETFs. Ein Goldsparplan bietet die Möglichkeit, durch regelmäßige Einzahlungen langfristig von Kursschwankungen unabhängig zu bleiben. In Österreich können diverse Goldprodukte auch online gekauft werden; für Kauf und Verkauf im Rahmen sogenannter Tafelgeschäfte (Barzahlung vor Ort) gilt eine Anonymitätsgrenze von genau 9.999,99 Euro – nur wer mehr kauft, muss sich ausweisen. Gold ist in der EU unter gewissen Voraussetzungen von der Mehrwertsteuer befreit, unter anderem ist ein Feingehalt bei Barren von mindestens 99,5 Prozent und bei Münzen von mindestens 90 Prozent entscheidend.