Der Boom der digitalen Währungen
Der Kurs von Bitcoin erreicht schwindelerregende Höhen, auch andere Krypto-Assets locken Investoren. Und das könnte erst der Anfang sein.
Text: Robert Prazak
Bitte zweimal Pizza! Preis: 10.000 Bitcoin. Klingt ungewöhnlich – und doch zeigt ein Gedankenspiel die Entwicklung dieses Krypto-Assets: 2010 bekam man für diese Menge an Bitcoin gerade mal zwei Pizzen. Heute könnte man damit mehrere Luxusvillen, Jachten und einen Privatjet kaufen. Und noch ist kein Ende des Aufwärtstrends zu sehen, dank programmierter Knappheit, dem steigendem Interesse von Investoren und der Flucht aus traditionellen Währungen.
Doch wie können Anleger an der Krypto-manie teilhaben? Dazu gibt es mehrere Möglichkeiten: Bei direkten Investments werden echte Krypto-Assets gekauft und in einer digitalen Geldbörse (Wallet) gespeichert – darauf haben dann nur die Käufer Zugriff. Das garantiert volle Kontrolle, aber es birgt Risiken: Geht der Schlüssel (Private Key) für den Zugriff verloren, sind die Assets für immer weg. Idealerweise werden die Werte in einer Hardware-Wallet wie etwa von Ledger aufbewahrt.
Breite Vielfalt
Krypto-Broker machen das Kaufen und Verkaufen einfacher. So hat sich Bitpanda mit Hauptsitz in Wien als eine der führenden Handelsplattformen für Krypto etabliert; dort können aber auch Aktien, Gold und Silber gehandelt werden. Wer voll ins Risiko gehen will, kann über Krypto-Broker – dazu zählen etwa auch Binance oder Kraken – mit Futures und Optionen handeln. Leicht verfügbar sind fondsähnliche Produkte wie ETPs (Exchange Traded Products), die den Kurs des jeweiligen Assets nachbilden. Das sei besonders für Anleger interessant, die sich nicht mit der technischen Verwaltung von Wallets befassen wollen, erläutert Dietmar Schantl-Ransdorf von Bitpanda Wealth. „Am Ende hängt die Entscheidung stark vom persönlichen Anlagehorizont, der Risikobereitschaft und dem Wissen über den Markt ab.“ Speziell im aktuellen Umfeld und im Hinblick auf Transparenz, Regulierung und Liquidität sind solche ETPs ein attraktiver Weg, in Krypto zu allokieren, argumentiert Bernhard Wenger, Head of Northern Europe bei 21Shares, einem Anbieter börsengehandelter Kryptoprodukte. „Gerade, wenn man in eine neue Assetklasse einsteigt, ist es klug, in eine bereits funktionierende Struktur zu investieren, die im Gold- bzw. Rohstoffbereich bereits seit über 20 Jahren etabliert ist.“
Jedenfalls bleibt der Kryptomarkt volatil. „Preisbewegungen von mehreren Prozent pro Tag sind keine Seltenheit“, warnt Schantl. Anleger sollten sich dessen bewusst sein und nur Kapital investieren, dessen Verlust sie im Notfall verkraften könnten. Gleichzeitig zeigen die vergangenen Jahre: Wer langfristig denkt und Streuung im Portfolio berücksichtigt, kann Volatilität bewusst einplanen und gezielt nutzen. „Gerade bei Bitcoin ist die Volatilität in den letzten Jahren jedoch stark gesunken, was das Asset mittlerweile auch für institutionelle Investoren interessant macht“, ergänzt Wenger. Sein Unternehmen bietet mit dem „Bitcoin Gold ETP“ (Bold) eine Kombination aus diesen beiden Werten an.
Bleibt die Frage, ob es Alternativen zu Bitcoin gibt. Für Schantl bleibt Bitcoin zwar das zentrale Asset im Kryptosektor, analog zu einer Leitwährung. „Aber daneben gibt es etablierte Projekte wie Ethereum, die spannende Anwendungsbereiche wie eine dezentrale Infrastruktur abdecken.“ Wer sich tiefer mit der Technologie beschäftigt und bereit ist, sich mit den Risiken auseinanderzusetzen, findet dort zusätzliche Diversifikationsmöglichkeiten. Der Kryptomarkt sei inzwischen ein vielfältiges Ökosystem, meint Wenger. „Gerade die Smart-Contract-Plattformen wie Ethereum und Solana stellen eine Möglichkeit dar, in die zukünftige Blockchain-Infrastruktur zu investieren.“
Wie geht es weiter mit Bitcoin & Co? Schantl sieht Rückenwind für den gesamten Markt durch regulatorische Fortschritte in den USA und Europa, eine steigende institutionelle Nachfrage und positive Signale wie Bitcoin-ETFs. „Kurzfristig wird es sicher weiterhin Korrekturen geben, aber mittelfristig erwarten wir ein stabiles Interesse, gerade auch aus dem klassischen Finanzsektor.“
Grundsätzlich sei der Ausblick für Krypto-Assets, allen voran Bitcoin, positiv, meint auch Wenger. „Wir sind immer noch am Anfang, vor allem die institutionelle Adaption betreffend.“ Außerdem fangen große Asset-Manager und Banken jetzt erst an, sich für diese Assetklasse zu interessieren. In diesem Kontext würden sich für einen längerfristigen Vermögensaufbau insbesondere Sparpläne anbieten.


Info
Kleines Krypto-Glossar
Krypto-Assets: digitale Vermögenswerte, die mit der Blockchain-Technologie erstellt und übertragen werden.
Bitcoin: erste und wichtigste Kryptowährung, die 2009 als digitales Geld gestartet wurde.
Ethereum: dezentrale Blockchain-Plattform für Smart Contracts, die native Währung ist Ether (ETH).
Wallet: Soft- oder Hardware, auf der Schlüssel für Krypto-Assets gespeichert werden.
Smart Contract: Computerprogramm auf einer Blockchain, das nach Erfüllen bestimmter Kriterien definierte Aktionen (etwa Zahlungen) ausführt.